| Badekulturen | ||||||
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Badewesen im römischen Reich
Die Römer - ja das waren schon feine Leute, die es verstanden zu leben - vor allem natürlich die, die reichlich von Eurem so geschätzten Mammon hatten. Aber auch diese Gesellschaft fing klein an ! Als 753 v.Chr. Romulus Rom gründete, gab es noch keine öffentlichen Badestätten, keine beheizten Schwimmbäder am Golf von Neapel. Die Römer der Königszeit kannten vor allem eine Badestelle: den Tiber. Und nicht zufällig befand sich der Exerzierplatz am Ufer des Flusses, spielte doch das Schwimmen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der Legionäre. Im Laufe der Zeit übernahmen die Römer von den Griechen die Badekultur und perfektionierten diese.
Zum Baden wurde Wasser gebraucht - viel Wasser ! Darum wurde 305 v.Chr. die erste große Wasserleitung gebaut : Aqua Appia. Außerhalb der Stadtmauer legte man ein großes Becken an, das aus der Wasserleitung gespeist wurde. Das war das erste öffentliche Bad des Römischen Reiches. 144 v.Chr. wurde die Aqua Marcia erbaut mit einem Fördervermögen von 187.600 cbm Wasser täglich und einer Leitungsstrecke von 91 km, die noch heute in Betrieb ist. 62-12 v.Chr. gab es in Rom bereits 170 öffentliche Bäder. 19 v.Chr. entstand das erste öffentliche Heißluftbad. Solch ein Bad war meistens ein Teil einer großen Therme. Die größte und beeindruckenste Therme dieser Zeit war die Diokletainttherme. Dort konnten bis zu 3.200 Menschen gleichzeitig baden. Bemerkenswert ist, daß diese Badeanstalten, genannt Gymnasien, (hergeleitet vom griechischen Gymnastik) sich den archäologischen Ausgrabungen und den schriftlichen Überlieferungen nach auszeichneten durch eine äußerst eindrucksvolle ornamentale Bauweise und durch ein überraschend breitgefächertes Angebot an Dienstleistungen (wie wir es heute nennen würden) : Entspannung - ruhend und bewegt in verschieden temperierten Wasserbecken, begleitende instrumentale und gesangliche Darbietungen, Wechselbäder im Wasser, trockener oder nasser Dampf, kalte Luft, durchsetzt von dazwischenliegenden Ruhe- und Schlafpausen, soweit möglich tummeln und schwimmen in größeren Wasserbecken.
Der ganze Mittelmeerraum und der Balkan wurde um den Beginn unserer Zeitrechnung von den Römern besetzt - siehe Zeittafel der römischen Kultur. Überall in diesen Gebieten erbauten sie schwerpunktmäßig sogenannte Legionsbäder, um auf den Feldzügen auf die Annehmlichkeiten eines wohltuenden Bades nicht verzichten zu müssen. Die Badeanstalten waren jedermann zugänglich - oft sehr großzügig angelegt und mit einem unbeschreiblichen Luxus ausgestattet - vergoldete Wasserhähne, die Wände mit kostbaren Mosaiken und Fresken versehen. Es kam nicht selten vor, daß die Becken und Fußböden aus rosafarbenem Marmor bestanden. auch eine Zentral- und Unterbodenheizung kannte man damals schon. Das bekannteste und wohl auch schönste Bauwerk seinerzeit war die Therme des Kaisers Caracalla zu Rom. Obwohl dieses Bad eine kaiserliche Therme war, so stand es doch als öffentliche Badeeinrichtung den Menschen von Rom zur Verfügung. Es war damals durchaus üblich, daß reiche Leute oder gar Kaiser Bäder errichten ließen und diese dann als öffentliche Badeanstalten ausgewiesen wurden. Das Badeleben in der damaligen Zeit beschränkte sich keineswegs auf die Funktion der Körperreinigung. Vielmehr waren die Badehäuser ein Ort, wo man sich traf, miteinander kommunizierte, Lesungen abhielt, Sport trieb. "Man soll mit einer Gruppe von gebildeten und gelehrten Freunden ins Bad gehen, die Geschichten, Anekdoten und Erzählungen kennen. Denn das vertreibt den Kummer, erheitert das Gemüt und erfreut das Herz." Mit unseren Badeanstalten sind diese Gebäude nicht zu vergleichen. Solch eine Anlage bestand aus einer ganzen Reihe von Gebäuden mit Dachterrassen zum Sonnen (Solaria) - zumeist in Angliederung an eine komplette Sportanlage. Die Römer haben diese Art zu baden von den Griechen erlernt. Diese setzten sich auf dem Söller (flaches Dach) nackt den Sonnenstrahlen aus und salbten sich mit Öl - sowohl des Vergnügens wegen, als auch. der Erhaltung der Gesundheit. Die Sandbäder, deren Ursprung auch bei den Griechen zu suchen ist, funktionierten so, daß man den Körper mit Sand beschüttete und ihn der Sonne aussetzte. Sie dienten dem gleichen Zweck. Integriert in diese Anlage waren ferner Bibliotheken, Gaststätten und Aufenthaltsräume zum Meditieren, schattige Plätze, Terrassen mit duftenden Blumenbeeten, gegen jede Witterung geschützte Galerien. Alles zur Zerstreuung des Badegastes. Ein Badbesuch dauerte daher auch mehrere Stunden, ja manchmal den ganzen Tag. Es gab sogar unterirdische kostbar ausgestattete Räume, um sich Kühlung an schwülen Sommertagen zu verschaffen. Derartige Räume gab es nicht nur in den Thermen, sondern auch in den Palästen und Landgütern der Reichen. Häufig dienten sie auch der Aufbewahrung von Trophäen und Souvenirs, die von den Reisen mitgebracht wurden. Der reiche Lucullus (heute eher bekannt für gutes Essen), im übrigen der reichste Mann seiner Zeit, hatte in seinen Häusern außer zahlreichen Bädern auch prächtige Galerien, Manuskripte und Bibliotheken. Seine Feste waren bekannt für allerlei "Kurzweil" und gutes Essen. Seine Häuser und Bäder waren der Tummelplatz für Gelehrte, Schriftsteller und sonstige reiche Nichtstuer.
Wurde ein Bad aufgesucht, so kam man zuerst in den Auskleideraum, das Apodyterium. Daran schloß sich der Kaltbaderaum an - das Frigidarium - mit einem großen Kaltwasserbassin und einem Schwimmbecken im Freien. Von dort gelangte der Gast in das Warmbad - dem Tempidarium - einem kleinen Raum und in die seitlich angeordneten Warmräume mit stufenweise steigender Temperatur. Von dort aus kam man in den Heißbaderaum - dem Caldarium. In diesem Raum befanden sich die Badebecken für das heiße Bad, die in großzügigen Nischen installiert waren. Von einem Raum, der meistens in der Mitte lag, wurde die ganze Anlage beheizt. Hier wurde in großen Warmwasserkesseln das Wasser mit Hilfe einer offenen Feuerung erhitzt und in das Röhrensystem, was sich hinter den Wänden und im Fußboden befand, eingespeist. So wurden nicht nur die Becken mit warmem und heißem Wasser versorgt, sondern die Räume wurden gleichzeitig beheizt. An diesem Heizraum angegliedert war meistens noch ein Salb- und Massageraum. Ferner wählten die damaligen Baumeister den Standort für ein Bad so, daß der Warm- und Heißwasserbereich in südlicher Richtung lag, weil die Badezeit vornehmlich von mittags bis abends festgelegt war. So wurde schon zu dieser Zeit die Sonne als wärmender Energiespender genutzt. Die fehlende Wärme wurde in der eben beschriebenen Weise erzeugt. Griechen und Römer kannten zu dieser Zeit auch schon Naturbäder und nutzten heiße Quellen. An diesen heißen Quellen entwickelte sich auch damals schon ein regelrechter Kurbetrieb. Wohlgemerkt - es wurde nackt gebadet und diese Bäder waren gemischte Bäder. (balnea mixta). In der Tat ist in den Thermen Roms der Gipfel der antiken Baukunst zu erblicken. Sie hatten auch Einfluß auf den christlichen Kirchenbau. Der antike Tempel war "Außenarchitektur", d.h. er zeigte seinen Schmuck nach außen. Die Kirchen waren wie das Privathaus und die Thermen "Innenarchitektur". Die Gewölbespannungen, vor allem aber der Innenschmuck des Mosaisierens der Gewölbe lernte der Kirchenbau von jenen damaligen Bäderhallen. Noch einleuchtender ist aber, daß sich die christliche Taufkapelle aus dem profanen Tauchraume entwickelt hat - denn das Taufen -> baptesthai bedeutet ein Untertauchen des ganzen Körpers. Das Baptisterium der Badeanstalt verwandelte sich also in das geistliche Reinigungsbad. Die letzten in Rom gebauten Thermen entstanden 324 n. Chr. unter Kaiser Konstantin. Das größte Schwimmbecken maß 70 mal 40 Meter und befand sich in den 80 n. Chr. erbauten Titus-Thermen. Um die Zeitenwende gab es das erste beheizte Schwimmbecken. Mit großem Aufwand wurde Meerwasser durch die Aquädukte in die Bäder geleitet. Kaiser Caligula besaß ein geräumiges Badschiff, das erste und zunächst einzige seiner Zeit. Später - im Mittelalter sollte man sich dieser Bauweise wieder erinnern. Neben den prunkvollen Thermen gab es in Rom eine Anzahl öffentlicher Bäder, die von der ärmeren Bevölkerung gerne in Anspruch genommen wurden. Um 330 gab es mehr als 850 öffentliche Bäder, die meist unentgeltlich genutzt werden konnten. Rom wurde täglich mit 750 Millionen Liter Wasser versorgt, das meiste floß in die Thermen und Volksbäder. (Der Wasserverbrauch bezieht sich auf das Jahr 330) Viele Villen reicher Römer waren an diese Wasserversorgung mit angeschlossen.
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